Dokumentation Panel#1 – Integration und Kultur

Das Panel „Integration und Kultur“ leitete Ülker Radziwill, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus und Vorsitzende des Arbeitskreises Integration. Ihr Gesprächspartner war Dr. Mark Terkessidis, Psychologe, Journalist und Migrationsforscher.
Die wichtigste Erkenntnis der Diskussion in diesem Panel war, dass die Begriffe „Integration“ und „Kultur“ neu überdacht werden müssen. Es reicht nicht mehr aus, Integration auf dem Feld der Migration zu denken. Die Integrationsproblematik fasst nicht nur Bürger mit Migrationshintergrund, sondern ebenso die sozial Schwachen am Rande unserer Gesellschaft, die aufgrund ihrer Benachteiligung von der Teilhabe ausgeschlossen sind.
Politik und Bürger sind dazu aufgerufen, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich möglichst große Teile der Gesellschaft wiederfinden und somit ein „Wir“ in der Bevölkerung etabliert werden kann. Eine gemeinsame Identität kann nur geschaffen werden, wenn ein Großteil der Menschen an der Gesellschaft teilhat und sich unter dem Begriff „Deutschsein“ wiederfindet.
Die konventionelle Idee vom Deutschsein (Pünktlichkeit, Genauigkeit etc.) ist überholt und in breiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr dem Zeitgeist entsprechend. Daher ist es umso wichtiger, die Idee zu überdenken und gegebenenfalls so umzugestalten, dass sie die Pluralität der Gesellschaft fasst. Daran wird man auch erkennen können, wie Kultur funktioniert. Heute entsteht Kultur durch Vielfalt und ist keineswegs ein Produkt von Homogenität. Der Grund, warum Berliner Kieze mit einem hohen Grad an Multikulturalismus von den Touristen so stark frequentiert werden, ist deren Authentizität. „Homogenität ist langweilig“, so Terkessidis und „das zeigen die hohen Besucherströme bspw. in Kreuzberg“. Das ist das, was bereits von vielen englischen Städten unter dem Stichwort „diversitymarketing“ (Vielfaltmarketing) als Eigenwerbung eingesetzt wird.
Beim Thema Migration stellt sich auch immer die Frage der Umgangskultur und des Miteinander in der Gesellschaft. Diskriminierung wird oft nicht als solche erkannt und ist im öffentlichen Diskurs zu wenig definiert, als man sie immer gleich identifizieren könnte. Migranten werden aufgrund ihrer Herkunft häufig stigmatisiert und es werden die Defizite aufgezeigt, anstatt dass versucht wird, daraus Chancen (Stichwort Zweisprachigkeit) abzuleiten.
Der Stellenwert von Sprache als Kommunikationsmittel wurde lange Zeit zu wenig Bedeutung beigemessen, was sich an dem mangelnden Angebot an Deutschkursen offenbarte. Allerdings resultieren 90% der Integrationsprobleme aus Verständigungsschwierigkeiten. Daher sind nun Kitas und Schulen gefragt, den Regelunterricht so zu gestalten, dass jedes Kind die deutsche Sprache erlernt. Das Erlernen der Landessprache ist der zentrale Schritt auf dem Weg zu erfolgreicher Teilhabe.

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