Dokumentation Panel#3 – Integrationspolitik vor Ort

Moderiert wurde das Panel von Ingo Siebert, Geschäftsführer des August-Bebel-Instituts Berlin. Seine Gesprächspartner waren Muna Naddaf, eine der Koordinatorinnen des Projekts Stadtteilmütter Neukölln und Kazim Erdogan, Gründungsstifter der Bürgerstiftung Neukölln

Könnte man die Idee der Stadtteilmütter ausweiten bzw. den Übergang in sozialen Berufen ermöglichen?

Rege wurde die Frage diskutiert, ob das Zertifikat als „Stadtteilmutter“ anerkannt sei und auf diesem Weg eine Zusammenarbeit im Rahmen eines Studiengangs möglich sei. Diese Zertifikate erhalten die Stadtteilmütter nach den drei Jahren aktiver Arbeit vor Ort. An dieser Stelle ist eher problematisch, dass die meisten Stadtteilmütter überhaupt keinen Abschluss haben. Frauen mit Abschluss werden ermutigt, sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Außerdem werden Stadtteilmütter gefördert durch Coaching oder zu Weiterbildungsseminaren vermittelt. Die „Stadtteilmutter“ könnte durch aus als Beruf begriffen werden, nicht jedoch als Erzieherinnen betrachtet werden.

Warum gibt es keine deutschen Stadtteilmütter für deutsche Mütter mit sozialen Problemen?
Für die Stadtteilmütter, wie sei momentan als Projekt existieren – so Muna Naddaf – ist der Zugang zu deutschen Familien schwierig und aufgrund der starken Arbeitsbelastung schon jetzt eine Ausweitung nicht realisierbar sei. Stadtteilmutter sein ist ein Knochenjob und wir bewusst entlohnt (30 Std/Woche), es ist kein Ehrenamt. Stadtteilmütter deutscher Herkunft wären sinnvoll. Es geht um die Frage, wie Familien –deutsche oder nicht-deutscher Herkunft – erreicht werden können. Es muss differenziert gesehen werden, denn durch je gleiche Sprachen diese Familien einfacher erreicht werden. Es wird vorgeschlagen, das Konzept auszuweiten, um auch deutsche Familien zu unterstützen.

Ideensammlung

  • Ein Diskussionsteilnehmer weist darauf hin, dass in 3-5 Jahren der Bedarf an ErzieherInnen über 50.000 beträgt. Wenn es Stadtteilmütter gibt, die dies abdecken können, hätten sie den Vorteil, dass sie die Softskills bereits besitzen und gesellschaftlich integriert sind.
  • Es gibt eine entscheidende Barriere – nämlich die Kommunikation. Daher schlägt ein Diskussionsteilnehmer vor, dass in Schulen durch die Förderung und den Raum für gemeinsame Interessen Neuankömmlinge begrüßt und eingebunden werden, um schneller einander näher zu kommen.
  • Unternehmen sollen verstärkt in Integration investieren, in dem sie Projekte finanziell unterstützen und fördern. Über die Politik besteht Zugang zu Unternehmen und die Möglichkeit zu vermitteln. Es wird als eine sinnvolle Aufgabe von Politik betrachtet, mit Unternehmen auch in dieser Richtung zusammenzuarbeiten.
  • Bei der Frage nach Teilhabe von Menschen auch deutscher Herkunft, wird es als sinnvoll erachtet Projekte auszuweiten, auch auf andere Personengruppen als die bisherigen, die ähnliche Probleme haben. Es muss nicht für jeden Personenkreis ein neues Rezept erarbeitet und erdacht werden, sondern man muss sich eher fragen, ob Konzept wie das der Stadtteilmütter auf andere Gruppen übertragbar ist.

Was ist Integration?
Eine diskutierte Frage war die, nach dem Begriff Integration. Auf die Frage hin, was Integration sei, entgegnet Kazim Erdogan, es gäbe für den Begriff nicht mal für Wissenschaftler eine Messlatte. Er betont, dass der Begriff eher negativ belegt sei, da Erfolge oft nicht sichtbar sind und zu wenig wahrgenommen werden. Viele Ausländer fühlten sich durch den Begriff diskriminiert.

Warum nicht stärker Imame ausbilden?
Kazim Erdogan möchte keine weiteren Moscheen, er ist der Auffassung, dass die Zeit, die man zum Beten hat, lieber für die Bildung nutzen soll. Viele Projekte arbeiten mit Moscheen zusammen, um die Menschen zu überzeugen, Priorität in Bildung zu setzen. Für die Stadtteilmütter stellen die Moscheen Orte zur Kontaktpflege dar, in denen die Zielgruppen erreichbar sind. Gleichzeitig ist Religion ein Thema, was von den Stadtteilmüttern bewusst ausgeklammert wird.

Sind Sanktionen sinnvoll?
Kazim Erdogan betont, Sanktionen führen auch nicht immer zum Erfolg. Ein Risiko misslungener Integration gäbe es immer, auch bei Deutschen. Integration kann nicht einseitig funktionieren. Als Beispiel nennt er, dass Integration wie „Hin- und Rückfahrt“ sei, der Treffpunkt müsse in der Mitte sein.

3 Kommentare

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  1. Sabine Mauer
    Apr 08 at 19:38

    Her mit den deutschen Stadtteilmüttern.
    Warum nicht von den Migrantinnen lernen?
    Unsere Kinder werden es uns danken.Um zu sehen,
    was in unserer Stadt noch besser laufen könnte,
    muß man sich bloß mal in ein Wartezimmer eines
    Arztes setzen. Eng an eng sitzen alle schweigend da und gucken aneinander vorbei. Können sie
    sich so ein Verhalten auf einem Dorf vorstellen?
    Berlin muß kommunikativer werden. Die Menschen sind doch bloß einsam. das sowas auch in einer Großstadt möglich ist, kann man sich von Amerika abgucken. da redet jeder mit jedem, auch im Fahrstuhl.
    Berlin-West war schöner!

  2. hilde seelbach
    Apr 12 at 20:56

    danke für die berichte per e-mail.

  3. julia
    Apr 14 at 16:45

    Liebe Sabine, ich bin mir nicht recht sicher, wie Dein Kommmentar “Berlin-West war schöner” zu deuten ist. Wir sind uns sicherlich alle im Klaren darüber, dass es gravierende Kommunikationsprobleme in unserer Gesellschaft gibt. Das liegt aber vielleicht nicht unbedingt daran, dass “die Menschen doch bloß einsam sind”, wie du es formuliert hast. Möglicherweise gibt es… Sprachschwierigkeiten? Da müssen doch Ansätze geschaffen werden. Durch eine gemeinsame sprachliche Basis (die in Deutschland Deutsch sein sollte) fördert man die Kommunikation zwischen den Menschen.