“Wir brauchen ein neues Wir-Gefühl” – Mark Terkessidis im Plenum

Dr. Mark Terkessides hat es in der Debatte im Plenum auf den Punkt gebracht:  “Wir brauchen ein neues Wir-Gefühl”.  Er wies  darauf hin, dass sich die Gesellschaft in Deutschland noch viel zu sehr durch den Blick in die Vergangenheit, auf Geschichte und Kultur, definiere. Jetzt gelte es, den Blick stärker in die gemeinsame Zukunft zu richten.  Er plädierte für Änderungen in den Schulen, die die Vielfalt als Chance begreifen müssten. Es gebe nicht mehr das „deutsche Normkind der fünfziger Jahre“.

Seine Positionen hat er  im Vorfeld als Thesenpapier in die Debatte eingebracht: Thesen von Mark Terkessidis

Zum Anhören – Ausschnitt aus dem Redebeitrag von Mark Terkessidis: 

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“Es ist ein Brückenbau” – Muna Naddaf über die Stadtteilmütter

Sie sind Mütter, das ist ihre Lebenserfahrung. Sie sprechen die Sprache und haben den kulturellen Hintergrund, um Familien zu erreichen – besser als andere. Muna Naddaf berichtet über das Projekt der Stadtteilmütter, das sie mit anderen zusammen koordiniert:

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„Solidarische Stadtgesellschaft: Integration und Teilhabe“ – das Thema der ersten Ideenkonferenz

Berlin ist eine Einwanderungsstadt. Berlin schöpft Kraft aus Zuwanderung und Vielfalt. Berlin will und kann auf die Kompetenzen von Migrantinnen und Migranten nicht verzichten. Migration ist eine wichtige Ressource für Berlin. Sie macht Berlin bunt und anziehend.

Vielfalt ist eine Chance. Das ist die Voraussetzung für moderne Integrationspolitik. Ob Berlin zukunftsfähig bleibt, hängt am Gelingen von Integration und am Aufbau einer solidarischen Stadtgesellschaft. Die solidarische Stadt braucht die Solidarität Vieler. Es geht dabei nicht allein um ethnische Fragen, Minderheitenschutz oder Apelle für Toleranz. Das ist wichtig, es braucht aber noch mehr. Die SPD versteht Integration als umfassende soziale, politische und wirtschaftliche Teilhabe. Sie gilt für alle Menschen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Integration ist immer auch ein Aufstiegsprogramm. Das setzt die Anerkennung von allen Menschen und ihrer Fähigkeiten voraus. Heute und künftig geht es um soziale Integration und sozialen Aufstieg von allen in einer Einwanderungsstadt. Die SPD wird in dem beginnenden Jahrzehnt die Integration in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen.

Dokumentation Panel#3 – Integrationspolitik vor Ort

Moderiert wurde das Panel von Ingo Siebert, Geschäftsführer des August-Bebel-Instituts Berlin. Seine Gesprächspartner waren Muna Naddaf, eine der Koordinatorinnen des Projekts Stadtteilmütter Neukölln und Kazim Erdogan, Gründungsstifter der Bürgerstiftung Neukölln

Könnte man die Idee der Stadtteilmütter ausweiten bzw. den Übergang in sozialen Berufen ermöglichen?

Rege wurde die Frage diskutiert, ob das Zertifikat als „Stadtteilmutter“ anerkannt sei und auf diesem Weg eine Zusammenarbeit im Rahmen eines Studiengangs möglich sei. Diese Zertifikate erhalten die Stadtteilmütter nach den drei Jahren aktiver Arbeit vor Ort. An dieser Stelle ist eher problematisch, dass die meisten Stadtteilmütter überhaupt keinen Abschluss haben. Frauen mit Abschluss werden ermutigt, sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Außerdem werden Stadtteilmütter gefördert durch Coaching oder zu Weiterbildungsseminaren vermittelt. Die „Stadtteilmutter“ könnte durch aus als Beruf begriffen werden, nicht jedoch als Erzieherinnen betrachtet werden.

Warum gibt es keine deutschen Stadtteilmütter für deutsche Mütter mit sozialen Problemen?
Für die Stadtteilmütter, wie sei momentan als Projekt existieren – so Muna Naddaf – ist der Zugang zu deutschen Familien schwierig und aufgrund der starken Arbeitsbelastung schon jetzt eine Ausweitung nicht realisierbar sei. Stadtteilmutter sein ist ein Knochenjob und wir bewusst entlohnt (30 Std/Woche), es ist kein Ehrenamt. Stadtteilmütter deutscher Herkunft wären sinnvoll.

Dokumentation Panel#2 – Engagement und Teilhabe

Die Moderation hat Christan Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte übernommen. Seine Gesprächspartnerin war Brigitta Wortmann, Mitglied im Sprecherrat des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement und Political Advisor der Deutschen BP AG.

Wer macht Integration – Bürger oder Staat?

Das zweite Panel stand ganz im Zeichen des bürgerschaftlichen Engagements und wurde geprägt von den Fragen zu dessen technischer Umsetzung. Wie können Solidarität und Gerechtigkeit umgesetzt werden und wie wird die Idee von Berlin als Stadt, in der wir leben wollen lebendig? „Die Angst vor dem Fremden ist immer noch da“, sagte eine Genossin. Aber Vielfalt dürfe nicht als Defizit, sondern müsse endlich als Ptenzial begriffen werden.

Wowereit: “Keine Ausländerthematik, sondern eine soziale Frage”

Mit einem Dank an all jene, die tagtäglich praktische Integrationsarbeit leisten, begann Klaus Wowereit seinen Ausblick. Der stellvertretende Parteivorsitzende der SPD und Leiter der Zukunftswerkstatt Integration der Sozialdemokratie rückte zu Beginn die Maßstäbe zurecht: Es gebe Probleme in der Integration, aber sie sei auch millionenfach gelungen.

Es sei unverständlich, wie man auf die Idee kommen könnte, Menschen wollten absichtlich keine Zukunftschancen und nicht das Beste für ihre Kinder, griff Klaus Wowereit einen Gedanken auf, der in der Konferenz geäußert wurde. Menschen seien nicht hergekommen, um sich abzukapseln, sondern  weil sie in ihren Ländern keine Perspektive für sich oder ihre Kinder gesehen haben.

Wowereit empfahl, die Integrationsdebatte weiter zu fassen: “Es ist keine Ausländerthematik, sondern immer eine Frage von Teilhabe.” Für alle müsse es Möglichkeiten zur Teilhabe geben.  Berlin habe als Stadt nur eine Chance, wenn sie sich international aufstellt und Menschen aus unterschiedlichen Minderheiten integriert, so Klaus Wowereit.

Hören Sie die ganze Rede:

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Kazım Erdoğan

Gründungsstifter der Bürgerstiftung Neukölln. Die Bürgerstiftung Neukölln wurde im November 2005 von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Kirche und Politik in Neukölln ins Leben gerufen. Die Stiftung soll sich als Ideenpool für alle Engagierten in dem Bezirk etablieren und dazu beitragen, ein respektvolles Miteinander aller Neuköllner Bürger schaffen. MigrantInnen sind ausdrücklich zur Mitarbeit eingeladen.

Homepage der Bürgerstiftung Neukölln

Muna Naddaf

ist eine der vier Koordinatorinnen der Stadtteilmütter Neukölln. Seit 2007 werden Frauen vor allem mit türkischem oder arabischem Hintergrund in den Quartiersmanagementgebieten Neuköllns zu Stadtteilmütttern ausgebildet. Die Ausbildungsthemen liegen im Bereich der Erziehung, Bildung, Gesundheit und Sprache. Die Frauen sollen in die Teile der Migrantencommunities vordringen, die von den herkömmlichen Maßnahmen nicht erreicht werden.

Infos online

Ihre Positionen auf der Konferenz

Brigitta Wortmann

Foto: www.b-b-e.de

ist Mitglied im Sprecherrat des Bundesnetzwerks Bürgerschaftlichen Engagements (BBE) und Political Advisor der Deutschen BP AG.

Das BBE sieht Engagementförderung als eine gesellschaftspolitische Aufgabe an, die sich nicht auf einzelne Engagementfelder beschränkt, sondern sämtliche Gesellschafts- und Politikbereiche umfasst. Dabei geht es sowohl darum, Eigenverantwortung, Partizipation und Selbstgestaltung der Bürgerinnen und Bürger zu stärken als auch neue Formen und Verfahren für gesellschaftliches Mitentscheiden und Mitgestalten zu entwickeln. Im Bundesnetzwerk vertreten sind Vertreter aus Bürgergesellschaft, Politik und Wirtschaft.

Homepage des BBE

Berliner Ideenkonferenz#1: Solidarische Stadtgesellschaft

Datum: 27. März 2010

Beginn: 10:00 - 15:00 Uhr

Ort: Stattion Berlin, Luckenwalder Str. 4-6

mit: Dr. Mark Terkessidis, Brigitta Wortmann, Muna Nadaff, Klaus Wowereit und viele andere

Mit dem Thema Integration und Teilhabe beginnt die SPD Berlin ihre Reihe der Berliner Ideenkonferenzen. Zahlreiche Referenten und vielen Berlinerinnen und Berlinern diskutieren die Frage, wie sie in Berlin – in einer solidarischen Stadtgesellschaft – in der Zukunft zusammen leben wollen.

Programm Berliner Ideenkonferenz#1

Die Dokumentation der Ideenkonferenz ist online.