Dokumentation Panel#1 – Integration und Kultur

Das Panel „Integration und Kultur“ leitete Ülker Radziwill, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus und Vorsitzende des Arbeitskreises Integration. Ihr Gesprächspartner war Dr. Mark Terkessidis, Psychologe, Journalist und Migrationsforscher.
Die wichtigste Erkenntnis der Diskussion in diesem Panel war, dass die Begriffe „Integration“ und „Kultur“ neu überdacht werden müssen. Es reicht nicht mehr aus, Integration auf dem Feld der Migration zu denken. Die Integrationsproblematik fasst nicht nur Bürger mit Migrationshintergrund, sondern ebenso die sozial Schwachen am Rande unserer Gesellschaft, die aufgrund ihrer Benachteiligung von der Teilhabe ausgeschlossen sind.
Politik und Bürger sind dazu aufgerufen, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich möglichst große Teile der Gesellschaft wiederfinden und somit ein „Wir“ in der Bevölkerung etabliert werden kann. Eine gemeinsame Identität kann nur geschaffen werden, wenn ein Großteil der Menschen an der Gesellschaft teilhat und sich unter dem Begriff „Deutschsein“ wiederfindet.

Michael Müller zur ersten Berliner Ideenkonferenz “Integration und Teilhabe”

Wowereit: “Keine Ausländerthematik, sondern eine soziale Frage”

Mit einem Dank an all jene, die tagtäglich praktische Integrationsarbeit leisten, begann Klaus Wowereit seinen Ausblick. Der stellvertretende Parteivorsitzende der SPD und Leiter der Zukunftswerkstatt Integration der Sozialdemokratie rückte zu Beginn die Maßstäbe zurecht: Es gebe Probleme in der Integration, aber sie sei auch millionenfach gelungen.

Es sei unverständlich, wie man auf die Idee kommen könnte, Menschen wollten absichtlich keine Zukunftschancen und nicht das Beste für ihre Kinder, griff Klaus Wowereit einen Gedanken auf, der in der Konferenz geäußert wurde. Menschen seien nicht hergekommen, um sich abzukapseln, sondern  weil sie in ihren Ländern keine Perspektive für sich oder ihre Kinder gesehen haben.

Wowereit empfahl, die Integrationsdebatte weiter zu fassen: “Es ist keine Ausländerthematik, sondern immer eine Frage von Teilhabe.” Für alle müsse es Möglichkeiten zur Teilhabe geben.  Berlin habe als Stadt nur eine Chance, wenn sie sich international aufstellt und Menschen aus unterschiedlichen Minderheiten integriert, so Klaus Wowereit.

Hören Sie die ganze Rede:

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Kazım Erdoğan

Gründungsstifter der Bürgerstiftung Neukölln. Die Bürgerstiftung Neukölln wurde im November 2005 von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Kirche und Politik in Neukölln ins Leben gerufen. Die Stiftung soll sich als Ideenpool für alle Engagierten in dem Bezirk etablieren und dazu beitragen, ein respektvolles Miteinander aller Neuköllner Bürger schaffen. MigrantInnen sind ausdrücklich zur Mitarbeit eingeladen.

Homepage der Bürgerstiftung Neukölln

Dr. Frank Gesemann

Foto: privat

ist Dr. phil., Diplom-Politologe, ist seit Mai 2005 Leiter des Büros M & S – Migration und Stadtentwicklung und seit September 2008 Geschäftsführer des Instituts für demokratische Entwicklung und soziale Integration (Desi). Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre, Evaluation und Praxisberatung. Themen sind unter anderem: Konzepte und Handlungsstrategien zur Förderung von Demokratie, Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement; Integrationspolitik von Bund, Ländern und Kommunen, soziale und interkulturelle Stadt(teil)entwicklung.

Neueste Veröffentlichung: „Lokale Integrationspolitik in der Einwanderungsgesellschaft – Migration und Integration als Herausforderung von Kommunen“ (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, 719 Seiten).

Dr. Mark Terkessidis

Foto: privat

Journalist, Autor, Migrationsforscher. Seine Themenschwerpunkte sind Jugend- und Popkultur, Migration und Rassismus. Er ist Mitherausgeber des Buchs „Mainstream der Minderheiten“ von 1996. 2000 gründete er zusammen mit Tom Holert das „Institute for Studies in Visual Culture“ (ISVC) in Köln gegründet. Terkessidis wurde im Jahr 2006 einer größeren Öffentlichkeit durch einen Offenen Brief bekannt, den er gegen die These Necla Keleks vom Scheitern der Integration gerichtet hatte. Er lebt in Berlin und Köln.

Homepage des Institute for Studies in Visual Culture

Seine Positionen auf der Konferenz

Muna Naddaf

ist eine der vier Koordinatorinnen der Stadtteilmütter Neukölln. Seit 2007 werden Frauen vor allem mit türkischem oder arabischem Hintergrund in den Quartiersmanagementgebieten Neuköllns zu Stadtteilmütttern ausgebildet. Die Ausbildungsthemen liegen im Bereich der Erziehung, Bildung, Gesundheit und Sprache. Die Frauen sollen in die Teile der Migrantencommunities vordringen, die von den herkömmlichen Maßnahmen nicht erreicht werden.

Infos online

Ihre Positionen auf der Konferenz

Brigitta Wortmann

Foto: www.b-b-e.de

ist Mitglied im Sprecherrat des Bundesnetzwerks Bürgerschaftlichen Engagements (BBE) und Political Advisor der Deutschen BP AG.

Das BBE sieht Engagementförderung als eine gesellschaftspolitische Aufgabe an, die sich nicht auf einzelne Engagementfelder beschränkt, sondern sämtliche Gesellschafts- und Politikbereiche umfasst. Dabei geht es sowohl darum, Eigenverantwortung, Partizipation und Selbstgestaltung der Bürgerinnen und Bürger zu stärken als auch neue Formen und Verfahren für gesellschaftliches Mitentscheiden und Mitgestalten zu entwickeln. Im Bundesnetzwerk vertreten sind Vertreter aus Bürgergesellschaft, Politik und Wirtschaft.

Homepage des BBE

Berliner Ideenkonferenz#1: Solidarische Stadtgesellschaft

Datum: 27. März 2010

Beginn: 10:00 - 15:00 Uhr

Ort: Stattion Berlin, Luckenwalder Str. 4-6

mit: Dr. Mark Terkessidis, Brigitta Wortmann, Muna Nadaff, Klaus Wowereit und viele andere

Mit dem Thema Integration und Teilhabe beginnt die SPD Berlin ihre Reihe der Berliner Ideenkonferenzen. Zahlreiche Referenten und vielen Berlinerinnen und Berlinern diskutieren die Frage, wie sie in Berlin – in einer solidarischen Stadtgesellschaft – in der Zukunft zusammen leben wollen.

Programm Berliner Ideenkonferenz#1

Die Dokumentation der Ideenkonferenz ist online.

Ingo Siebert

Foto: privat

ist Geschäftsführer und Studienleiter des August-Bebel-Instituts (ABI) Berlin. Das ABI ist eine gemeinnützige Einrichtung der politischen Bildung. Sozialdemokratische Verleger aus Berlin gründeten sie 1947, um damit in historischer Verantwortung den Wiederaufbau einer sozialen und demokratischen Gesellschaft auf den Weg zu bringen. Heute wie früher stehen die Angebote des Instituts allen interessierten Frauen und Männern offen, die sich politisch bilden und in einen Dialog treten wollen. Er übernimmt die Moderation im Panel#3 “Integration vor Ort” mit den Referenten Muna Naddaf und Kazım Erdoğa.

Homepage des ABI